Haben Werkstatt-Portale Zukunft?

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Anfang Oktober hat AutoScout24 sein Werkstattportal geschlossen, die Erwartungen an das Portal seien nicht erfüllt worden. Auch Bosch hatte Ende 2018 die Reißleine für das Werkstattportal Drivelog gezogen. Das Interesse eine Kfz-Dienstleistung über das Internet zu buchen, scheint nicht so hoch zu sein. Das Berliner Startup Caroobi, das 2015 gegründet wurde und von Investoren wie Nokia und BMW unterstützt wird, will Europas größte Plattform für Werkstattdienstleistungen werden. „Wir sind der One-Stop-Shop für Werkstätten. Wir bieten günstige Teile, qualifizierte Kunden und ein smartes Tech-Produkt in einem“, so Philipp Grosse Kleimann seit Mai dritter Geschäftsführer und CCO bei Caroobi.

Das Besondere sei, dass der Schaden per Ferndiagnose ermittelt wird und die Reparatur zur besten Preisempfehlung angeboten würde. Über 750 Kfz-Betriebe soll das Netzwerk haben. Die Teilelieferung übernimmt Caroobi direkt.

Auch Drivelog ist wieder am Start und seit Anfang November online. ADDED VALUE Unlimited ist der neue Besitzer. Mittelfristig will sich Drivelog zur zentralen Werkstätten-Plattform rund um Teilebeschaffung, Teileidentifikation und Werkstattsoftware entwickeln. Der Exklusiv-Marktplatz für Kfz-Betriebe setzt auf Preistransparenz und durchgängige Verfügbarkeit. Werkstätten erhalten in Erstausrüstungsqualität benötigte Kfz-Ersatzteile und Zubehör so immer termingerecht und zu tagesaktuellen Bestkonditionen. Bei Bestellung stehen dafür vier Lieferfenstern bereit.

Mario Jahn, Geschäftsführer von ADDED VALUE Unlimited: „Drivelog folgt dem Prinzip „Keep it as simple as possible“ – mit vier Klicks zum gewünschten Ersatzteil für alle gängigen Fahrzeugmarken.“ Entsprechend ist die Benutzer-Oberfläche selbsterklärend zu nutzen. Die mobile Anwendung für Tablets oder Smartphones ermöglicht hierbei die komfortable Ersatzteil-Beschaffung direkt an der Hebebühne oder im Kundengespräch.

Auf dem letzten WERKSTATTFORUM in Dortmund haben wir die Portale der DAT Fair Garage, Autobutler, Autoservice.com und werkstars präsentiert, die auch heute noch im Markt bestehen, aber keine konnte sich bisher als Champion hervorheben. Es gibt Werkstätten, die darüber Reparaturaufträge und auch Neukunden generieren, aber das ist noch nicht die Regel. Die Mehrheit der Werkstätten verhält sich eher zurückhaltend, wenn die Anfrage über das Portal bei ihnen eingeht. Flagge zu zeigen und dabei zu sein, das wird oft gesagt auf die Frage, warum man auf den Plattformen vertreten ist. Diese reinen Werkstattportale könnten in fünf oder zehn Jahre nicht mehr existieren, weil Telematik-Plattformen, Werkstattsteuerung über die Hersteller oder Versicherungen oder Marktplätze wie Amazon zunehmen.

„Plattformökonomie ist die Lösung im Kampf um den Kundenzugang“, sagt eCommerce-Experte Wolfgang Vogl, Director Business Development von Speed4Trade. Der Einsatz einer Commerce-Plattform sei künftig unumgänglich. Mit zusätzlichen Services würden die Autofahrer auf die Plattform gelotst. „Das Ziel muss es sein, den Autofahrer zufriedenzustellen. Was er mit der Suche nach dem richtigen Ersatzteil beginnt, muss die Plattform mit Terminbuchung in seiner favorisierten Werkstatt inklusive Preisangabe und Lieblings-Zahlungsart komplettieren.“

Die Empfehlung lautet, Kunden mit eigenen, neuartigen Teile- und Werkstattplattformen oder -Marktplätzen und besonderen Services zu überzeugen. Im Idealfall könnte zum neuen Kompletträdersatz der Radwechsel gleich mitangeboten werden.

Drei Gründe, weshalb den Teile- und Werkstattportalen die Zukunft gehört

  1. Anbieter müssen Zugang zum Kunden neu finden

Online wird es für Kfz-Ersatzteile- und Reifenanbieter immer schwieriger, Kunden über den Preis zu gewinnen und zu binden. Zwar bestellen bereits 29 % aller Autoteile-Käufer ihre Produkte online und der Anteil steigt weiterhin an.* Allerdings erschweren es starke Konkurrenten wie Amazon den Händlern, sich durchzusetzen. Deshalb müssen sie beim Teile- oder Reifenverkauf eine Abgrenzung schaffen und Kunden mit zubuchbaren Services binden. Seien es Terminbuchungen für Montageservices bei der nächstgelegenen Werkstatt, Leihwagenvermietung oder Reifeneinlagerung.

  • Branchenfremde Akteure drängen sich zwischen Kunde und Werkstatt

Die aktuelle Roland-Berger-Studie „Chancen der Konsolidierung im Kfz-Aftermarket“ verweist auf den Einfluss sogenannter Intermediäre auf die Wertschöpfungskette.** Versicherungen oder Leasingfirmen drängen sich zwischen Kunden und Werkstatt, indem sie den Großteil der Werkstatt- und Service-Steuerung übernehmen. Sie legen vermehrt vertraglich fest, in welche Werkstatt der Kunde sein Auto bringen muss. Klassische Akteure wie der Teilegroßhandel müssen auf diese Verschiebung in der Wertschöpfungskette reagieren und online mit eigenen Angeboten die Schnittstelle zwischen Endkunden und Werkstatt besetzen. Mit einem Kfz-Teile- und Werkstattportal holen Anbieter Kunden online ab und navigieren sie in die lokale Werkstatt.

  • Gemeinsam größer und stärker

Gemeinsam größer denken ist angesagt. Der Einzelkampf ist nicht unbedingt nötig. Schließlich verkauft Amazon seine eigenen Produkte auch nicht separat über eine Plattform, sondern zusammen mit vielen anderen Händlern unter einem Dach. Anbieter von Kfz-Teilen können sich mit Werkstätten zusammentun, um Ersatzteile und Service- oder Reparaturleistungen über einen gemeinsamen Marktplatz anzubieten. Mehr Anbieter bedeuten in diesem Zusammenhang mehr Auswahl und Komfort für den Kunden und deutlich mehr Sichtbarkeit und Reichweite im Markt. Die optimale Ausgangslage für Wachstum und Expansion.

Das Softwarehaus hat zwölf Erfolgsfaktoren für den Aufbau digitaler Handelsplattformen identifiziert und in Form eines Whitepapers herausgegeben. Das Whitepaper 12 Erfolgsfaktoren digitaler B2C- und B2B-Handelsplattformen für direkten Kundenzugang im automobilen Aftermarket ist erhältlich auf der Speed4Trade-Website unter: www.speed4trade.com/whitepaper-commerce-plattform/

Quellen:

*Studie von KANTAR TNS: „Die Online-Nachfrage an Autoteilen steigt“

**Studie von Roland Berger: „Chancen der Konsolidierung im Kfz-Aftermarket“:

DRIVEMOTIVE startet Pilotphase

Die Entscheidung, welche Werkstatt der Autofahrer anfährt, wird zukünftig über das Display des Fahrzeugs beeinflusst. Digital und vernetzt sind die Autos und damit wird es zunehmend schwieriger Kfz-Dienstleistungen über altbewährte Kommunikationskanäle zu erhalten. Um den Konnektivitätslösungen der Autohersteller wie BMW Connected Drive oder Mercedes Me connect etwas entgegen zu setzen, entwickelt der IAM Mobilitätslösungen. Ziel ist es, die digitale Schnittstelle zum Autofahrer und Flottenmanager zu öffnen und zu bewahren.

Auf der CARAT Messe konnten sich die Werkstätten bei DRIVEMOTIVE über die Funktionen der neuen digitalen Mobilitätslösung informieren. Im Rahmen der DRIVEMOTIVE Werkstatt-Pilotphase haben sie nun die Möglichkeit, die digitale Schnittstelle zum Autofahrer zu testen. Mit der entsprechenden App kann sich der Autofahrer mittels Telematik-Lösungen passende Angebote sowie Terminvorschläge aus seiner Werkstatt direkt in sein Cockpit holen.

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