Komplexität nimmt weiter zu… auch rund um die Bremse

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Zur Vorbereitung auf das Special Bremse dieser Ausgabe hat die Redaktion mit dem Leiter Sales Service von Continental, Bert Lembens, ein Gespräch geführt. Wir wollten u. a. wissen, ob es neue Reparaturmethoden für die Bremse gibt und welche Trends zu erwarten sind.

FREIE WERKSTATT: Gibt es einen Tipp von Ihrer Seite für Werkstätten?

Lembens: Technik verändert sich permanent, d. h. Kfz-Monteure dürfen nicht stehen bleiben. Das, was ich gestern gelernt habe, ist heute kein Standard mehr. Es ist notwendig, sich weiterzuentwickeln. Dazu gehören auch Weiterbildungen, die auf die neuen Standards hinweisen. Die Bremsanlage ist in den modernen Fahrzeugen wesentlich komplexer, viel Elektrik und Elektronik ist hinzugekommen. Für die Werkstätten bedeutet dies, dass eine Diagnose vorab unumgänglich ist. Beispielsweise kann unterschiedlicher Belagverschleiss auch eine elektrische oder elektronische Ursache haben. Zu sehen, was verbaut ist und welche Systeme aktiv sind, sollte der erste Schritt einer Reparatur sein.

So weiß ich vorher schon, ob aktuelle Daten hinterlegt sind, ob Spezialwerkzeug notwendig ist und kann somit die Reparatur gut vorbereitet angehen. Auch der Service „Wechsel von Bremsflüssigkeit“ funktioniert nicht mehr ohne Informationsbeschaffung. Sehr viele unterschiedliche Qualifikationen sind vorhanden, weil jeder Hersteller für sich Siedetemperatur, Korrosionsschutz, Viskosität und den Druckaufbau definiert. Nicht das günstigste Produkt sollte verwendet werden, sondern das, was die OE-Norm erfüllt.

FREIE WERKSTATT: Oft sind die Symptome nicht stimmig und da ist eine gute Ursachenforschung hilfreich. Über die geführte Fehlerdiagnose hat die Werkstatt eine praktische Unterstützung. Nutzen Werkstätten für eine gewöhnliche Bremsenreparatur dieses Werkzeug?

Lembens: Das ist leider ein Manko, bisweilen nutzen die Kfz-Mechaniker die geführte Diagnose nicht und setzen stattdessen auf ihre Erfahrung. Das ist jedoch die Vergangenheit, heute brauchen wir das „Werkzeug mit Stecker“, also aktuelle Serviceinformationen, sei es aus einer Datenbank oder einem Diagnosegerät. Das Systemverständnis ist nicht bei allen Werkstätten vorhanden. So können nur Teilreparaturen gemacht werden. Wurde beispielsweise der Bremsbelag ausgetauscht, aber ein Defekt in der Hydraulik war ursächlich, dann kommt der Kunde schneller wieder als gewünscht.

FREIE WERKSTATT: Der Funktionsumfang einer Bremsenreparatur hat sich in den letzten Jahren stark verändert, Fahrerassistenzsysteme, Anlernen von Fahrzeugteilen und die Kalibrierung sind Teil der Reparatur geworden, worauf müssen sich die Werkstätten in den nächsten Jahren einstellen?

Lembens: Wichtig zu wissen ist, welche Systeme sind im Fahrzeug, also auch, welche FAS verbaut sind. Nur so kann eine bessere Diagnose erstellt werden. Continental bietet daher auch FAS-Schulungen an, um die Komplexität und das Zusammenspiel von FAS und der Bremse zu verstehen. Über das more-Portal kann sich jede Werkstatt anmelden: https://morecontinental.com/de-DE/Training/Trainings-2019.

Mit der Ferndiagnose werden Wartungs- und Reparaturarbeiten in Zukunft vorhersagbarer. Dank der „predictive maintenance“ können Autofahrer proaktiv auf die Notwendigkeit eines Services an der Bremse hingewiesen werden und die Werkstatt kann notwendige Vorbereitungen treffen, damit die Reparatur so schnell wie möglich vollzogen werden kann.

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