Mitgebrachte Ersatzteile: Das chinesische Modell

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Bildquelle: ebay.de

Von Kunden mitgebrachte Ersatzteile sorgen in freien Kfz-Werkstätten regelmäßig und leider immer häufiger für Entscheidungsnöte und Erklärungsbedarf – zu groß ist die Verlockung, im Internet ein „genauso gutes“ Ersatzteil zu einem Bruchteil des Preises von Markenware zu erwerben. In China etabliert sich gerade ein neues Geschäftsmodell im hart umkämpften Ersatzgeschäft.

Auto-Ersatzteile kann man mittlerweile problemlos im Internet kaufen, vom Scheibenwischer bis zum Turbolader. Die Preisspanne ist groß, der Qualitätsunterschied unter Umständen ebenfalls. Dabei besteht das Risiko, an billig gemachte Kopien von Originalteilen zu geraten: „Uns fällt es auf, dass vermehrt Hochdruckpumpen im Umlauf sind, die unsere Produkte nachahmen“, berichtet Slava Merk vom Technik-Service bei Hitachi. „Unsere internen Untersuchungen zeigen, dass diese Produkte weder den Hitachi- noch den Herstellerstandards entsprechen und deren Einbau zu hohen Folgekosten führen kann.“

Natürlich kann der Kfz-Besitzer auch im Internet qualitativ hochwertige Ersatzteile zu einem entsprechend höheren Preis erwerben. Aber das Risiko ist groß, bei einem selbst durchgeführten Einbau zum Beispiel von Motorkomponenten erhebliche Kollateralschäden zu verursachen, oder bei der freien Kfz-Werkstatt mit einer Bitte um einen Einbau auf Ablehnung zu stoßen.

In China wächst der Ersatzteilmarkt gerade explosionsartig und damit auch die Kundennachfrage nach billigen Teilen für Volumenmodelle. Bis 2030 wird laut einer Studie von Roland Berger der Anteil Chinas am globalen Fahrzeugbestand von jetzt 20 auf dann 26 Prozent gestiegen sein. Damit entsteht auch eine ähnliche Problemsituation für die freien chinesischen Werkstätten bezüglich der Ersatzteile aus dem Internet.

Dort drängen jetzt digitale Mitbewerber wie die Plattform QCCR.com ins Ersatzgeschäft, die zum gekauften Ersatzteil auch gleich den Offline-Werkstatt-Service verkaufen. In eine ähnliche Richtung zielt der größte chinesische Teilehändler Carzone, der bis 2023 ein Netz aus 50.000 zertifizierten Werkstätten etablieren will, über das man Autobesitzern hochwertige Wartungs- und Reparaturarbeiten zu transparenten Preisen anbietet.

Auf diese Weise wollen die Online-Händler die Schnäppchen-Jäger einfangen und ihnen eine werthaltige und über die Gewährleistung abgesicherte Reparatur in einer angeschlossenen Fachwerkstatt anbieten – ein Geschäftsmodell, das auch in Deutschland funktionieren würde? „Nein, auf gar keinen Fall“, sagt Klaus Fiefhaus, Vertriebsleiter bei der Alliance Automotive Group (AAG), dann müsste der Stundenverrechnungssatz doppelt so hoch sein, denn die Werkstätten müssen am Verkauf der Teile mitverdienen, sonst geht die Rechnung nicht auf.“

In Deutschland wird es für den qualitätsbewussten Kunden also beim bewährten Weg in die Werkstatt des Vertrauens bleiben. Gut so. (HPL)

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