In die Zukunft navigieren

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Bildquelle: Pixabay

Die Betriebsgrößen freier Mehrmarkenwerkstätten sind sehr unterschiedlich und variieren je nach Standort, Einwohnerzahl im Umkreis von ca. 30 Kilometern und Infrastruktur. Nicht nur die Dichte an Kfz-Werkstätten ist im Ballungsgebiet höher als im ländlichen Bereich oder am Rande von Großstädten, auch die Kosten für Pacht oder Miete sind höher.

Das Alter der Inhaberin und des Inhabers, die geregelte oder ungeregelte Nachfolge und die Kompetenz der Mitarbeiter *innen spielen für die Zukunft eine wichtige Rolle. Die modernen Autos sind für die Kfz-Werkstätten eine Herausforderung – vor allem im Risiko-Management. Wenn Kunden, Lieferanten und Banken mitziehen, ist der Schritt in die E-Mobilität leichter. Wenn die Hektik, die aktuell herrscht, ins Gegenteil schlägt, was dann?

Zukunft erfordert zunehmend freies verfügbares Kapital und Rendite. Sonst zeigt sich schnell, dass trotz des flüssigen Geldes, großzügiger Kreditvergabe und günstigster Zinssätze die Banken gerade den Kfz-Reparaturmarkt kritisch beäugen. Bei Nullzinsen können die Kreditgeber auch keine Ausfälle riskieren.

Investitionen in Arbeitsplätze, Schulungen etc. müssen aber den neuen technischen Herausforderungen angepasst werden – trotz des abnehmendem Teileumsatzes bei E-Fahrzeugen. Das muss personell und finanziell gestemmt werden.

Daher sind aktuelle Bilanzen, eine angepasste Betriebsgröße und ein fester Kundenstamm, die ein solches Invest absichern können, für Bankgespräche von Vorteil. Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation werden auch Stammkunden aus dem Kreis KMU (kleine mittelständische Unternehmen) aufgefordert, diese Kennzahlen zu liefern. Kennen Sie die aktuellen Bonitäts-Kennzahlen, die Ihre Bank über Sie und Ihr Unternehmen verwendet? Sprechen Sie einmal Ihren Bankberater darauf an.

Was bedeutet das für Sie als Unternehmer*in? Ich habe Ihnen sozusagen sieben Bankgebote erstellt:

  1. Erstellen und analysieren Sie Ihre aktuelle Bilanz und monatsaktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) und prüfen Sie die Aussage daraus. Erstellen Sie eine Kostenanalyse.
  2. Überreichen Sie Ihrer Bank ungefragt die Bilanzdaten mit einem Businessplan für die nächsten Jahre ungefragt Ihrer Bank. Eine Verschuldung sollte nicht das Drei- bis Vierfache des Gewinns überschreiten. Das vorhandene Eigenkapital sollte nicht unter 25 Prozent liegen.
  3. Verlassen Sie sich nicht auf eine Bank, denn auf zwei Beinen steht man besser. Nehmen Sie auch eine zweite Bank ins Visier. Prüfen Sie, ob Ihr Privatkonto nicht besser bei einer anderen Bank aufgehoben ist. Auf keinen Fall sollten Sie Kredite über den Kontokorrentkredit beanspruchen, das ist viel zu teuer.
  4. Prüfen Sie die Leistungslöhne für Ihre Mitarbeiter*innen. Führen Sie eventuell Leistungsboni anhand berechneter Leistungssummen/Stunden ein. Mitarbeiter können Sie als „stille“ Teilhaber aufnehmen und am Gewinn beteiligen.
  5. Wenn branchenbedingt bisher benötigte Ersatz- und Verschleißteile bei Verbrennern wegfallen, sollten Sie stufenweise den Stundenverrechnungssatz nach oben anpassen. Bei sinkendem Teileumsatz und steigenden Investitionen ist das eine betriebswirtschaftliche Maßnahme. Ich frage bei meinen Werkstattbesuchen immer den Stundensatz ab: der niedrigste in einer Stadt lag bei 65 Euro netto und der höchste im Schwarzwald 120 Euro netto, wie hoch ist der Ihre?
  6. Nehmen Sie Lieferanten fair und kritisch unter die Lupe und vergleichen Sie das Preis-Leistungsverhältnis. Treuebonus, Marketingunterstützung (digital/offline) Vereinbaren Sie längere Zahlungsziele.
  7. Nutzen Sie das gewachsene Vertrauen Ihrer Kunden. Stellen Sie sich der jährlichen Kundenzufriedenheitsumfrage WERKSTATT DES VERTRAUENS. Sprechen Sie gezielt Neukunden und die Smartphone-Generation über alle Social-Media-Kanäle an. (Nutzen Sie die Angebote unter: www.misteratz.de)

Fakt: Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ungern man sich als Familienbetrieb mit diesen Themen beschäftigt. Aber: Je offener und ehrlicher Sie sich mit diesen sieben Punkte beschäftigen, umso eher haben Sie und Ihre Nachfolger mit dem Team eine gute und erfolgreiche Zukunft.

Für Fragen oder auch Kritik stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Ihr

Manfred Kaufhold

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