Wer wird den Kampf um den Zugang zu Fahrzeugdaten gewinnen?

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Foto: iStock

Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts und entsprechend begehrt sind die Zugänge zu den Daten. Es ist ein harter Wettbewerb: „Wer die Daten hat, der hat die Macht“, so der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Günther Oettinger 2016.

Im Aftermarket der Kfz-Branche kämpfen seit Jahrzehnten die Automobilhersteller, um ihre Kund*innen zurückzugewinnen. War in den vergangenen Jahren ihr Schwert die Gewährleistung, ist es nun das vernetzte Auto. Wer darf die fahrzeuggenerierten Daten nutzen?

Auf der einen Seite stehen die Automobilhersteller, die aus Gründen der Sicherheit den Zugriff auf die Fahrzeugdaten einschränken wollen. Volkswagen spricht sich beispielsweise für das extended vehicle aus, d. h. über eine webbasierte Plattform können die Fahrzeugdaten sicher und standardisiert abgerufen werden. Auch der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) ist der Meinung, die Fahrzeugdaten sollen in der Obhut der Hersteller bleiben und veröffentlichte dazu das ADAXO-Konzept (Automotive Data Access-Extended and Open). Die Automobilhersteller wären somit die Gatekeeper.

Der ZDK, der ADAC und weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe Telematik (s. Positionspapier*) lehnen ADAXO ab und fordern gleichberechtige Zugangsmöglichkeiten zu allen im Fahrzeug vorhandenen und generierten Daten und Funktionen für alle Marktteilnehmer: Diese Forderung lässt sich durch eine Sichere On-Board Telematik-Plattform (S-OTP) technisch und wettbewerbsgerecht umsetzen, so die Arbeitsgruppe. S-OTP umfasst zahlreiche Basisdienste im Fahrzeug (z. B. Rechenleistung, Speicherplatz, Schnittstellen zu Aktuatoren und Sensorik), die Schnittstellen zum Fahrer (Fahrzeugdisplay und Bedienelemente) sowie ein klares Zugangs- und Berechtigungskonzept für eine vertrauliche, transparente und sichere Regelung des Zugangs zu Fahrzeugdaten und -funktionen.

Die wettbewerbsneutrale Nutzung von Daten aus dem vernetzten Fahrzeug finden sich auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wieder laut ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk. „Es kommt jetzt auf die konkrete Ausgestaltung auf europäischer Ebene im Sinne der Wettbewerbsfreiheit und der Sicherung der Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher an. Dafür werden wir uns im Verbund mit weiteren Verbänden und Organisationen einsetzen, sowohl in Berlin als auch in Brüssel.“

Seien wir alle aufmerksam, wenn sich Veränderungen bezüglich Datenzugänge zeigen. Es geht um die Zukunft des Independent Aftermarkts (IAM). Je mehr Mitstreiter*innen desto besser. (cepe)

* Folgende Organisationen sind Mitglied der Arbeitsgruppe Telematik: ADAC, Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Serviceausrüstungen e.V. (ASA), Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV), Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), Gesamtverband Autoteile-Handel e.V. (GVA), wdk Wirtschaftsverband der Deutschen Kautschukindustrie e.V., Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Zentralverband Karosserie und Fahrzeugtechnik (ZKF) sowie die privatwirtschaftliche Enterprise Holdings.

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