Geteilte Bremsscheiben – Vorsicht im Handling

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Bei zweiteiligen Bremsscheiben ist die Nabe an den Reibring genietet oder mechanisch gefügt. Foto: ZF-Aftermarket

Bremsscheiben sind zunehmend nicht mehr einteilige Gussteile, sondern werden mit Töpfen aus Stahl oder Aluminium ausgestattet. Beim Umgang in der Werkstatt ist daher Vorsicht angebracht.

Waren bis vor wenigen Jahren einteilige Bremsscheiben aus Grauguss Standard, so verändern die immer höheren Anforderungen an den CO2-Ausstoß auch die Bremstechnik. Statt Nabe und Reibring aus dem gleichen Material herzustellen und preisgünstig zu gießen, geht der Trend zu zweiteiligen Bremsscheiben: Der Reibring wird klassisch aus Grauguss gegossen, die Nabe der Scheibe wird aus Aluminium- oder Stahlblech tiefgezogen. Um die unterschiedlichen Materialien zu verbinden, werden diese je nach Hersteller und Modell ineinandergefügt oder vernietet.

Der Vorteil zweiteiliger Bremsscheiben liegt damit eigentlich schon auf der Hand: Die gegossene Nabe ist mit Materialstärken von fünf bis sieben Millimetern deutlich schwerer (je nach Scheibengröße bis zu zweieinhalb Kilogramm) als das dünne Blechteil mit Stärken von etwa zweieinhalb Millimetern. So reduziert die geteilte Bremsscheibe das absolute Gewicht der Bremsanlage, da es sich zudem um ungefederte Massen handelt, ist der Gewichtsvorteil gleich doppelt so groß.

Werkstätten müssen im Umgang mit zweigeteilten Bremsscheiben jedoch einige wichtige Punkte beachten:

Muss bei Wartungs- und Einstellarbeiten an der Vorderachse der Lenkeinschlag geändert werden, etwa um an Bauteile  am Fahrwerk oder im Motorraum erreichen zu können, so muss der Einschlag unbedingt über das Lenkrad und nicht über das „Ziehen“ an der Bremsscheibe erfolgen – bei den dünnen Töpfen besteht die Gefahr, dass sich diese bei seitlichen Kräften verziehen, und anschließend bei Bremsungen mit rubbeln und quietschen negativ auffallen.

Vorsicht ist auch bei der Demontage der Bremsscheibe geboten, wenn an dahinter liegende Bauteile wie etwa an den Stoßdämpfern gearbeitet werden muss. Gerade nach hohen Laufleistungen backen die Nabentöpfe an der Radnabe förmlich fest – hier gehen Mechaniker meist her und klopfen die Scheibe mit der flachen Seite eines Hammers von der Nabe herunter. Auch eine Vorgehensweise, die man bei den empfindlichen zweigeteilten Scheiben besser unterlassen sollte – zumindest wenn die Scheibe wiederverwendet werden soll.

Ebenfalls zunehmend wichtig ist das Thema Planlauf: Dies betrifft zwar nicht nur die zweigeteilten Scheiben, aber erfährt durch sinkende Toleranzen mehr Aufmerksamkeit. Ist die Nabe nicht einhundertprozentig sauber oder durch zu starkes Anziehen der Radschrauben beschädigt, kann es zu Rubbeln oder quietschen kommen – hier unterscheiden sich einteiligen und zweiteilige Bremsscheiben nicht. Auch wenn es bei Mechanikern ungeliebt ist, die Messuhr sorgt für saubere Ergebnisse und quietschfreie Bremsen. (SB)

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